WINTERCAMPING
... ist die etwas andere Art, seinen Winterurlaub zu genießen !
Wenn ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, daß ich wieder mit meinem VW-Bus zum Snowboarden fahre, schütteln alle ungläubig mit dem Kopf und die meisten sagen: "Reicht es Dir nicht langsam ?" , "Du bist verrückt !", "Hast Du nicht schon genügend Abenteuer erlebt?" oder "Gibt es dort keine Pensionen oder Hotels ?"
Neuschnee in Balderschwang 2002
|
Sicherlich, ein wenig "Verrückt" und "Abenteuerlustig" muß man schon sein, jedoch wenn man sich an einige Spielregeln hält, das Wetter ausreichend beobachtet und die Situation frühzeitig erkennt, kann einem ziemlich wenig passieren. Ich fahre nun seit mehr als sieben Jahren (Stand 2005) mit meinem VW-Bus in die Alpen und habe dort schon einige Erfahrungen gemacht. Erfahrungen, die unter anderem aufgrund von Unwissenheit und Leichtsinnigkeit entstanden sind. Weitere wichtige Informationen sind unter der Rubrik "Wohnmobil" und in dem Reisebericht "Livigno" zu finden !
Ich hoffe, daß Ihr mit den Tipps und Informationen gut zurecht kommt und einen schönen Urlaub mit dem Wohnmobil habt.
|
Wintercamping in Sölden 2006
|
|
- Winterreifen - wer ohne Winterreifen losfährt, braucht sich über einen "Totalschaden" nicht zu wundern !
- Schneeketten - für die Sicherheit auf den Straßen.
- Klappspaten - zum Ausgraben des Wohnmobils, falls man einmal in einer Schneewehe feststeckt.
- Schneeschaufel (Schneeschieber) - zum Freischaufeln des Wohnmobils, falls Unmengen an Schnee gefallen sind.
- Fußabtreter und Handfeger - damit der Schnee von den Schuhen abgefegt werden kann.
- Abschleppseil , Starthilfekabel , Eisspray.
- Waschwasserzusätze für die Scheibenwaschanlage (unverdünnt)
- Isoliermatten für die Front und Seitenscheiben (Fahrerhaus, innen).
- Isolierfolie (Luftpolsterfolie mit Alubeschichtung) zugeschnitten für die Front- und Seitenscheiben. Sollte von außen unter die Scheibenwischer geklemmt werden und mit Gummistrapsen am KFZ befestigt werden. Bewirkt, daß die Front und Seitenscheiben auch bei minus 25° von innen und außen kaum zufrieren. Wer außen keine Isolierfolie befestigt, kann schon nach einer Nacht bis zu 1cm Eis auf der Scheibeninnenseite haben
(Wohnmobilstellplatz in Hindelang)
|
- Standheizung - egal ob Diesel oder Gas, die Heizung muß zuverlässig durchlaufen und eine Wärmeleistung 2-3 KW haben. Achtung: Eine Dieselstadheizung funktioniert nur richtig bis zu 1300 Höhenmetern ! Darüber nur sehr unzuverlässig !
- Ein Heizlüfter - für alle Fälle mitnehmen, falls die Standheizung einmal ausfällt. Dient aber nur bei Extremtemperaturen als Notlösung für eine Nacht.
- Für den 220V Anschluss ein dickes Kabel, das für solch Temperaturen ausgelegt ist. Eine Kabeltrommel ist aufgrund der Witterungsverhältnisse ungeeignet und kann durch Kurzschlüsse des gesamten 220V Anschluß lahmlegen.
- Die Sache mit dem Diesel ! Sicherlich gibt es Winterdiesel, jedoch auch Winterdiesel kann bei mehr als minus 18° versulzen (ausflocken). Falls dies geschehen ist, ist die Einspritzpumpe, die Einspritzdüsen und der Dieselfilter meistens verstopft. Selbst die Dieselstandheizung kann dadurch ausfallen. Da die Temperaturen meistens länger anhalten, kann man dagegen kaum etwas machen. In solch einer Situation kann nur noch eine Kfz-Werkstatt bzw. der ADAC-Abschleppdienst helfen. Um dies vorzubeugen. kann man dem Diesel einige Liter Benzin hinzutanken. Wieviel das sein darf, fragt Ihr am besten in Eurer Vertragswerkstatt nach. Als Alternative gibt es den Dieselzusatz "YACHTIKON - ANTI FROZT". Dieser Dieselzusatz verhindert die Bildung von größeren Parafinkristallen und somit das versulzen (Ausflocken) des Dieselkraftstoffes. Soll bis -33°C wirken.
- Die Gasversorgung für das Wohnmobil sollte man schon rechtzeitig planen und stets im Auge behalten. Nicht jeder Skiort hat unsere "grauen Gasflaschen" im Verkaufsangebot. Für solch einen Fall sollte man ein passendes Adapterstück für ausländische Gasflaschen dabei haben.
|
- Wildcampen ist bei solchen Witterungsverhältnissen nicht zu empfehlen. In einigen Skiorten gibt es bereits günstige Wohnmobilstellplätze bzw. Campingplätze. Falls beides nicht vorhanden ist, kann man auch vor Hotels, Seilbahnstationen und anderen öffentlichen Einrichtungen übernachten. Hierbei sollte man aber vorher um Erlaubnis fragen !
- Stell Dich immer zu anderen Wohnmobilfahrern hin. In einer Gruppe findet man schneller Hilfe und es dient auch der eigenen Sicherheit. Überfälle können nämlich auch in der kalten Jahreszeit stattfinden.
- Fahre nie in unbekanntes, verschneites Gelände. Man weiß nie, was unter dem Schnee liegen kann.
- Prüfe, bevor Du auf einen verschneiten Parkplatz fährst, ob der Parkplatz ausgeschildert ist, oder ob es sich um einen Behelfsparkplatz (verscheite Wiese) handelt. Im Falle einer "verschneiten Wiese" ist größte Vorsicht geboten, da man sich dort sehr schnell fest fahren kann. Mir selbst ist es passiert, daß ich am Rand solch eines Parkplatzes bis zum Bodenblech eingebrochen bin. Das ganze passierte gegen 21.00 Uhr bei minus 24° und nur durch Zufall habe ich um diese Zeit noch Hilfe bekommen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei dem netten Pistenraupenfahrer aus Balderschwang für die Hilfe bedanken.
- Halte Abstand von Hängen, Abgründen und Flüssen, Bächen. Man weiß nie, ob es nicht doch zu einem Erdrutsch kommen kann.
|
Feuchtigkeit, der größte Feind beim Wintercamping:
Aus den Regentagen im Sommer haben schon alle Wohnmobilfahrer die Erfahrung gemacht, was entstandene Feuchtigkeit im Fahrzeug bedeutet. Leider jedoch hat diese Feuchtigkeit mit der, die beim Wintercamping entsteht, wenig zu tun. Man muß beim Wintercamping zwei Feuchtigkeitsarten unterscheiden. Die Feuchtigkeit, die wir mit unseren Schuhen und Kleidungsstücken in das Fahrzeug bringen bzw. die Feuchtigkeit, die durch Kondensation an den schlecht isolierten Stellen (Metallteile, Türen und Scheiben) im gesamten Fahrzeug entsteht bzw. dort, wo die Heizungsluft den "Taupunkt" nicht über den Gefrierpunkt bekommt (meist in den Schränken).
Wer an dieser Stelle nicht auf die Feuchtigkeit achtet, der wird schon nach sehr kurzer Zeit seinen Winterurlaub abbrechen müssen !
- Skischuhe sollten möglicht immer vor dem Fahrzeug abgefegt/abgeklopft werden.
- Jacken und andere verschneite Kleidungsstücke sollten möglichst vor dem Fahrzeug ausgeschüttelt werden
- Nasse Kleidungsstücke sollten umgehend zum trocknen aufgehängt werden. Hierbei sollte die Heizung laufen und für eine ausreichende Lüftung gesorgt werden.
- Nachts sollte man alle Lüftungen verschließen, damit nicht zuviel kalte Luft in das Wohnmobil hereinzieht. Keine Sorge vor Erstickung, erst bei solch Temperaturen merkt man, wie undicht so ein Fahrzeug ist.
- Alle Metallteile und Scheiben, an denen Kondenzwasser bzw. Eiskristalle entstanden ist, müssen morgens mit einem Lappen trocken gerieben werden. Man sollte auch mit einem Tuch über die Einbauteile wischen. Ansonsten werden es die höheren Tagestemperaturen nicht schaffen, die Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und das Fahrzeug zu trocknen.
- Tagsüber, je nach den Witterungsverhältnissen, sollte möglicht eine Dachluke leicht geöfnet sein. Ansonten so gut es geht viel Lüften !
- Gegen die Feuchtigkeit in den Schränken (Taupunkt-Feuchtigkeit) kann man eigentlich nichts machen. Hierbei hilft nur, so wenig wie möglich mitnehmen bzw. die Schränke nicht vollzustopfen. Ansonsten werden die Kleidungsstücke klamm und feucht.
- Auf das Kochen "im großen Stil" sollte man beim Wintercamping verzichten, da die zusätzliche Kochfeuchtigkeit nicht mehr aus dem Fahrzeug herauszubekommen ist. Ein leichtes Erhitzen von Speisen ist jederzeit möglich, jedoch auf Reis- und Nudelgerichte sollte man verzichten.
- Die Heizung sollte möglichst die ganze Nacht über laufen, da der andauernde Wechsel zwischen warm und kalt unnütze Feuchtigkeit produziert.
(Wohnmobilstellplatz in LIVIGNO)
|
Auch wenn Ihr glaubt, daß die Feuchtigkeit im Fahrzeug nicht hoch ist, muß ich Euch enttäuschen. Die Umgebung des Wohnbereichts, in der auch die Heizungsluft zirkuliert, ist zwar relativ "trocken", jedoch dafür an anderen Stellen sehr "nass". Hebt einmal die Polster hoch, streift einmal über den Dachhimmel bzw. faßt an die Stellen, die mit Jacken oder sonstigen Stoffen verdeckt sind. Nach zwei Tagen werdet Ihr es auch merken, wie an diesen Stellen die Feuchtigkeit immer mehr wird. Drum sollte auch hier mit einem Tuch öfter trocken gerieben werden.
Falls möglich, sollte das Wohnmobil jeden Tag mind. 1 Stunde komplett durchgelüftet werden, d.h. Fenster auf, Türen auf, sowie alle weiteren Klappen, Dachluken, .... ! Nur so ist gewährleitet, daß Ihr Euch für mehrere Tage wohlfühlt !
|
|
Benehmt Euch unauffällig ! Seit nett und höflich zu den Einwohnern. Respektiert die Gebote und Hinweise. Vergeßt nie, daß Ihr von den Einwohnern etwas wollt, nicht sie nicht von Euch.
- Schmeiß Euren Müll nicht in die Landschaft, sondern entsorgt ihn in den Mülltonnen, die überall aufgestellt sind. Entsorgt Eure Toiletteninhalte nicht im nächsten Graben, sondern in den vorhandenen Entsorgungsstationen. Falls Mülltonnen und Entsorgungsstationen nicht vorhanden sind, helfen Euch die umliegenden Campingplätze sicherlich weiter.
- Nur wenn wir uns alle bemühen und den Gegebenheiten vor Ort anpassen, werden uns die Leute in der Zukunft weiterhin dulden und nicht gleich vertreiben.
|
Ich wünsche Euch von dieser Stelle aus viel Spaß bei Euerm nächsten Wintercampingurlaub !
|